12.05.2026

Starkes Interesse an Vorträgen von Bauhistorikern in Angelmodde-Dorf

Münster-Angelmodde (agh). Starkes Interesse fand der bauhistorische Blick auf St. Agatha beim Tag der offenen Tür in Alt-Angelmodde. So lud Engelbert Honkomp die Besucher am Sonntagnachmittag ein, doch weiter nach vorn zu rücken. Im Altarraum warteten u.a. nie gesehene Bilder wie ein Foto von 1888/89, Grundrisse, Querschnitte und Grafiken. Zwei Forscher der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen boten die neuen Einblicke, Dr. Michael Huyer und Carsten Neidig-Hensgens. Basis war die erste bauhistorische Untersuchung des Gebäudes und seiner Teile. Anlass für die Forschungen gaben Sanierungen im Sommer 2022.

Der Vortrag bot in wenigstens zweierlei Sinn Wissenschaft zum Miterleben. Zum einen, weil Methoden der Gewinnung und des Prüfens von Erkenntnis gezeigt wurden – vom Handaufmaß zu Strukturlicht-Scanner und Tachymeter, der Holzbohrer für Proben der Dendochronologie, auch viele Gänge zu Urkunden und Plänen: im Bistumsarchiv, im Stadtarchiv, im Archiv der Archäologen. Zum anderen, weil sich so eine neue Erkenntnis ergab: Erst entstand das Langhaus der Kirche, später erst der Turm, nämlich „um oder nach 1221“, so Huyer. Bislang war man vom Gegenteil ausgegangen. Das sei Gang der Wissenschaft, so Huyer.

Wohl noch nie konnte man die Kirche in ihren Wandlungen so detailliert verfolgen, auch an wenig zugänglichen Stellen oder ganz verborgenen. So gab es seitlich ein Portal, das wohl dem Priester einen eigenen Zugang zum Altarraum öffnete. Für weniger Auffälliges konnten sie Aufmerksamkeit schaffen: Der genaue Blick auf das Mauerwerk innen zeigte, dass man die Dachform änderte, nämlich ein spitzer zulaufendes baute. Das Motiv dahinter, so die Referenten, ist allerdings nicht bekannt. Offensichtlich dagegen war die Re-Romanisierung mit z.B. der Wahl kleinerer Fenster in den 1950ern – deren Gestaltung der Angelmodder Künstler Vinzenz Pieper übernahm.

Die beiden Referenten brachten die analytische Betrachtung etwa des Holzalters und auch der Holz-Bauweise in farbigen Schemata zusammen mit dem Anschaulichen der Fotos. So besteht es aus Holz aus verschiedenen Jahrhunderten. Das jüngere fügte man dem von 1495 hinzu nach dem Brand von 1831.

Huyer bat die Besucher, dieser besonderen Kirche St. Agatha gewogen zu bleiben – derzeit sind sie es, denn das Kirchlein war gut gefüllt beim Vortrag der Bauforscher des LWL, ebenso wie ein Gang in Turm und unters Dach beim Tag des offenen Denkmals 2023 auf starkes Interesse gestoßen war. Und das Publikum hatte viele Fragen.

Weiteres Interesse dürfte bestehen, wenn die Forscher den nächsten Schritt machen: Von der Untersuchung des einzelnen Falls zum Vergleich mit ähnlichen Bauwerken. Der Gedanke gärt schon.

Baugeschichten online entdecken

Mehr erfahren über die westfälische Bauforschung als ein Bereich der Denkmalpflege kann man online. Der LWL stellt Informationen digital bereit. Dabei können Besucher Methoden der Untersuchung und der Dokumentation kennenlernen. 40 Exponate aus sieben Jahrhunderten erzählen ihre Geschichte.

https://www.lwl-dlbw.de/de/denkmaeler-entdecken/baugeschichten