13.06.2026

Die Geschichte Wolbecks: Burg, Wasser und Kneippkurort

Alfons Gernholt erzählte auch aus persönlichem Erleben von der Geschichte Wolbecks. Foto: A. Hasenkamp.

Münster-Wolbeck -agh-. Die Geschichte Wolbeck ist eine Geschichte des Wassers. Wer die Vergangenheit dieses Stadtteils verstehen will, muss sich vorstellen, wie Flüsse und Bäche das Leben hier formten – über Jahrhunderte hinweg. Ein kürzlich gehaltener Vortrag beim Frauentreff in der Christuskirche zeigte: Wolbeck hat weit mehr zu erzählen als viele Bewohner ahnen. Alfons Gernholt sprach vor etwa zwei Dutzend Frauen über Burgen, Wassermühlen und eine Zeit, in der Wolbeck kurzzeitig als Kurort galt. Seine Anekdoten offenbaren, wie Naturkräfte und Technologie den Ort geprägt haben.

Burg und Mergelboden: Was aus Wolbeck hätte werden können

Einen Turm wollte man in Wolbeck bauen – für die Kohleförderung. Die Unternehmung scheiterte an zwei Feinden: dem harten Mergelboden und einem Sturm. Doch das war nur eine Episode in der Baugeschichte Wolbecks. Viel älter und prägender war die Burg, die zwischen Piepenbach und Sumpf lag. Die Burg umspannte eine Fläche von etwa 100 mal 150 Metern – ein imposantes Bauwerk, das als natürliche Festung galt: Das Wasser der Piepenbach floss in verschiedenen Adern um sie herum, der Sumpf schützte Ort und Burg gleichermaßen.

Bis französische Kanonen im Schlesischen Krieg den englischen Soldaten in der Burg auf den Leib rückten. Die Burg verschwand. Einige ihrer Steine, so überliefert, wurden später im Schloss der Universität verbaut – ein stilles Denkmal ihrer einstigen Größe. Wer heute durch Wolbeck spaziert, findet kaum noch Spuren dieser Vergangenheit. Aber sie ist da, unter den Gärten und Häusern, in den Fundamenten der modernen Zeit.

Wasser als Antrieb: Von der Wassermühle zur Angel

Das Wasser spielte nicht nur eine Schutzfunktion. Es war Energiequelle. Die Wassermühle brauchte hohes Wasser zum Mahlen – und Gernholt erzählte aus eigenem Erleben davon, wie das Wasser in vielen Haushalten Wolbecks Tuberkulose verbreitete. Die Angel – ein zweiter Wasserlauf – versorgte das Kurhaus an der Angel mit dem, was Badegäste suchten: kalte Bäder. „Ich habe heute noch kreischende Frauenstimmen im Ohr“, erinnerte sich Gernholt an die Reaktionen. Ein anderes, privateres Erlebnis: Er fing als Knabe einen 1,1 Meter langen Hecht in der Angel – und hatte das Foto dazu mitgebracht.

Das Wasser war auch Grund dafür, dass Wolbeck für zehn Jahre den Status eines Kneippkurorts erhielt. Wie dem Kneippverein das gelungen sein soll, bleibt für Gernholt bis heute rätselhaft. Die nötigen Verbesserungen bei der Kanalisation wurden vorgenommen. 1976 lief der Status aus – und die Stadt Münster stellte keinen neuen Antrag. Ein verpasster Moment in der Geschichte Wolbecks.

Kultur in Wolbeck: Das Frauentreff als Ort des Austauschs

Die Geschichte Wolbecks wird heute bewahrt durch Orte wie den Frauentreff in der Christuskirche. Das Programm dort ist vielfältig: „Musizieren bis ins hohe Alter“ mit Professor Hermann Wickel aus Angelmodde, eine Türmerin von St. Lamberti, Frauen in der Diakonie im 19. Jahrhundert. Der Vortrag über Wolbeck reiht sich ein in eine Tradition der Bildung und des lokalen Austauschs.

Bei den Treffen wird nicht nur gehört – es wird auch geteilt. Die Frauen sangen ein geistliches Lied, lasen zusammen einen Adventstext, der in raffinierter Weise seinem Titel gerecht wurde: „Perspektivwechsel“. Am kommenden Treffen steht die Wandelkrippe in St. Nikolaus im Mittelpunkt, mit einem Vortrag von Vroni Artmann. Das Programm für 2019 sollte im Dezember verfügbar sein. Wer mehr über Wolbeck erfahren will, findet in diesen Veranstaltungen ein offenes Ohr – und in den Geschichten von Menschen wie Alfons Gernholt ein Stück authentische lokale Geschichte.

Die Geschichte Wolbeck lebt fort, nicht in Museen allein, sondern in den Erinnerungen und den Räumen, wo Menschen sich treffen. Der Frauentreff ist einer dieser Orte.

TEASER (Social Media)

Wolbecks Geschichte ist eine Geschichte des Wassers: Burgschutz durch Sumpf und Fluss, Kurort für kurze Zeit, Kneippbäder in der Angel. Ein Vortrag beim Frauentreff erzählte diese Geschichten neu – mit persönlichen Erinnerungen von Alfons Gernholt.

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EXCERPT (Google-Snippet)

Die Geschichte Wolbeck ist geprägt von Wasser, Burgen und einer kurzen Zeit als Kneippkurort. Ein Vortrag beim Frauentreff beleuchtete die lokale Vergangenheit.

adminwo24