11.03.2026

Beim Themenkreis der AWO Münster-Wolbeck erhielten Gäste einen exklusiven Einblick in die Arbeit des Wolfgang-Borchert-Theaters (WBT). Intendantin und Geschäftsführerin Tanja Weidner berichtete aus erster Hand über Herausforderungen, Entscheidungsprozesse und künstlerische Freiheit an einem erfolgreichen Privattheater. Sie erklärte, warum Aufführungen trotz Krankheitsfällen meist durch Umbesetzungen gerettet werden, wann Produktionen jedoch ausfallen müssen und weshalb Neuauflagen wirtschaftlich riskant sein können. Gleichzeitig zeigte sie, wie Stücke wie „Terror“ auch nach Jahren wieder Publikumserfolge feiern. Weidner betonte die gesellschaftliche Rolle des Theaters als Ort des Dialogs und der kulturellen Auseinandersetzung – besonders in Zeiten sozialer Spannungen. Das WBT setze bewusst auf eine Mischung aus Klassikern, Schul-Literatur und Komödien und sehe seine Stärke in Flexibilität und Nähe zu aktuellen Themen. Die Veranstaltung vermittelte den Besuchern ein realistisches Bild von Chancen und Zwängen kreativer Arbeit im Privattheater.

Münster-Wolbeck -agh-. Einen Blick in ein besonderes Theater Münster verschafften sich am Donnerstag die Gäste des Themenkreises des AWO Wolbeck, und das aus erster Hand. Tanja Weidner kam in die Hofstraße, seit August 2024 die Intendantin und Geschäftsführerin des Wolfgang-Borchert-Theaters. Lange war sie dort Chefdramaturgin; Intendant Meinhard Zanger hatte eine ihrer Inszenierungen in Berlin gesehen.

Warum musste eine Aufführung ausfallen, warum wird ein anderes Stück nicht neu aufgelegt? Die Gäste stellten viele Fragen – und unter ihnen waren offensichtlich viele, die öfter in das Theater am Hafen gehen. Wegen Krankheit lasse man nichts ausfallen – da werde umbesetzt, improvisiert, so Weidner. Wenn für den Liederabend aber auch noch der Pianist krank ausfällt, dann gehe nichts mehr. Eine Neuauflage für wenige Aufführungen bringe viel Arbeit mit sich, da sei der Ertrag unsicher. Andere wie „Terror“ können auch nach Jahren der Pause wieder mit Erfolg laufen.

So entsteht für die Gäste der AWO ein Bild der Zwänge und der Möglichkeiten, kreativ tätig zu sein an einem Privattheater. Und das WBT sei eines der erfolgreichsten Privattheater Deutschland, so die Frau mit der Doppelfunktion.

Am Wert von Theater zweifelt Weidner nicht: „Gerade wenn man sozialen Unfrieden hat, dann braucht man Kultur.“  Kultur öffne einen Weg, anders mit Gefühlen wie Verzweiflung und Wut umzugehen, als mit Hass. „Uns ist wichtig, dass wir mit unserem Programm Brücken schlagen.“ Das WBT stehe für Dialog, für Stücke, die gesellschaftliche Themen aufgreifen. Da sei man auch flexibler als große und staatliche Häuser. Das sei auch ein Grund für sie gewesen, an einem Privattheater zu arbeiten. Zuvor war sie im Studententheater aktiv, dann lange als freie Dramaturgin unterwegs – an bis zu 300 Tagen im Jahr. Münster war für sie die richtige Wahl. Zum Repertoire gehören auch Schul-Literatur, klassische Stück und Komödien: „Die Mischung macht’s.“ An den kleineren Privattheatern sei wichtig, „dass alle Voll-Profis sind“. Die Schauspieler, ob Festangestellte oder Gäste, müssen große Rollen füllen, aber auch mit kleinen Rollen zufrieden sein können. Und auch die Beleuchter hätten hoffentlich eine künstlerische Ader.

Das Repertoire des WBT in Münster Anfang 2026:

ACHTERBAHN
ACHTSAM MORDEN
ALL DAS SCHÖNE
ANNE-MARIE DIE SCHÖNHEIT
DER TEUFEL UND DIE DIVA
DER TRAFIKANT
DIE VERWANDLUNG
EINGESCHLOSSENE GESELLSCHAFT
GIRLS & BOYS
HERZFADEN
KALTER WEISSER MANN
MALALA – EIN STARKES MÄDCHEN
MANHATTAN PROJECT
METAFAUST
MONSIEUR IBRAHIM UND DIE BLUMEN DES KORAN
TERROR