Am Frauentag 2014 beleuchtete der Münsteraner Autor und Rezitator Rainer Schepper in Wolbeck ein unbequemes Thema: die Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften. Sein Vortrag im AWO-Themenkreis zeigte anhand historischer Zitate aus Judentum, Christentum und Islam, wie Frauen jahrhundertelang in den großen monotheistischen Religionen dargestellt und behandelt wurden. Nicht als Kritik an Religionen selbst, sondern als Analyse männlicher Perspektiven, die bis heute nachwirken. Ein Vortrag, der zum Nachdenken zwingt und manchem Zuhörer schwer fiel – eine Frau verließ nach drei Vierteln Stunde den Raum mit den Worten: „Es ist nicht mehr auszuhalten“.
Frauenunterdrückung: Die Frau als Besitz
Schepper dokumentierte in seinem Vortrag zur Frauenunterdrückung prägende Aussagen über Frauen. „Die Frau wurde Sklavin, bevor es Sklaven gab“, zitierte er prägnant. Sie teilte „des Mannes Bett, aber nicht seinen Tisch“. Thomas von Aquin beschrieb Frauen als „schnell wachsendes Unkraut“. Der Philosoph Plato sah es als eine von acht Wohltaten an, nicht als Frau geboren zu sein. Diese Perspektiven zeigen eine systematische Herabwürdigung, die tief in den Religionen verankert war. Der Grund für solche Frauenunterdrückung? Schepper identifizierte ein tieferes Problem: das Unvermögen der Männer, Frauen zu verstehen – ein Unvermögen, das zu Furcht führte und diese Furcht sich in Unterdrückung ausdrückte.
Frauentag und die monotheistischen Religionen
Der Frauentag war für Schepper Gelegenheit, systematisch nachzuzeichnen, wie Frauen im Alten Testament, im Judentum, im Christentum und im Islam gesehen wurden. „Das Haupt für die Frau ist der Mann“, eine zentrale Aussage aus biblischen Texten. „Verlangt sie aber eine Belehrung, so können sie zuhause ihren Mann fragen“ – so die Anweisung an Frauen, nicht selbstständig zu denken. Es sind Geschichten aus Männerköpfen, betonte Schepper, die die monotheistischen Religionen prägen. Ohne diese historische Analyse zu verstehen, bleibt auch die heutige Frauenunterdrückung in manchen Gesellschaften rätselhaft.
Rainer Schepper: Ein Intellektueller, der Widersprüche benennt
Rainer Schepper, 1927 geboren, katholisch erzogen, entdeckte früh die Widersprüche in der Religion. Diese Erkenntnis trieb ihn an, sich intensiver mit dem Thema Frauenunterdrückung zu beschäftigen. 2003 veröffentlichte er seine Forschung unter dem Titel „Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften“ in der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“. Der Rezitator und Autor hat sich ein breites Spektrum erarbeitet: von „Gott beim Wort genommen. Das Alte Testament auf dem ethischen Prüfstand“ über „Das ist Christentum. Informationen aus zweitausend Jahren Geschichte“ bis hin zu „Plattdeutsche Märchen der Brüder Grimm“. Sein Vortrag zum Frauentag war kein moralisierendes Predigen, sondern eine faktengestützte, quellenbasierte Analyse.
Dialog statt Dogma
Nach Scheppers Vortrag moderierte Ingrid Brock-Gerhardt, Organisatorin des Themenkreises, die Diskussion. Sie hatte die These gewagt, Scheppers Darstellung sei „starker Tobak“ – und fragte provokativ: „Sind da denn auch positive Dinge enthalten?“ Schepper antwortete knapp: „Warten Sie mal ab“ und fuhr dann mit Zitaten aus dem Koran fort. Der Dialog zeigte: Frauenunterdrückung ist kein Thema nur für eine Religion, sondern ein universales historisches Phänomen. Der Gedanken- und Erlebnisaustausch, der dem Vortrag folgte, war intensiv – viele der knapp zwanzig Zuhörer beteiligten sich. Für Wolbeck ist solche kritische Auseinandersetzung mit Kulturgeschichte essentiell. Mehr
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Frauentag in Wolbeck 2014: Rainer Schepper analysierte die Wurzeln der Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften – ein unbequemer Vortrag über historische männliche Perspektiven in Judentum, Christentum und Islam.
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Frauentag 2014 in Wolbeck: Rainer Schepper untersucht Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften – historische Zitate und kritische Analyse aus Judentum, Christentum und Islam.