Künstler Andreas Rosenthal erwartet dank seiner Technik immer eine Überraschung
Münster-Angelmodde. Gewaltig hoch hängen drei Zeichnungen an der Wand im Gallitzin-Haus, zugleich bescheiden als schlichtes Papier, ohne Rahmen. Der Künstler Andreas Rosenthal stellt ab Samstag in Angelmodde aus. Am Montag rückte er mit drei Helfern zum Hängen am Angelmodder Weg an, mit Hein Götting, Ludwig Mädel und Hans-Georg Dornhege, dem Kurator des Vereins Heimatfreunde Angelmodde. Ohne Leiter und auch Wasserwaage ging es nicht. Ganz anders als mechanisch, kalkuliert und fix sind die Inhalte. Rosenthal hat sich von Wolken fesseln lassen – über 1000 Wolken-Studien habe er gefertigt, sich eigens zwei Monate in einem Hochhaus an der Hammer Straße einquartiert – mit Blick nach oben. Die Wolken seien immer im Fluss, das Zeichnen erfordere ein anderes Herangehen, erklärt er. Das müssten seine Hände erst lernen, um „das Flüchtige festzuhalten“.
Ohne Überraschungen im Schöpfungsprozess hätte er die Kunst längst aufgegeben, sagte er, der in den 1970er Jahren in Münster studierte und auf viele Ausstellungen auch im Ausland zurückblicken kann. Die Überraschung kommt aus einer originären Verbindung von Oben – Himmel und Wolken – und Unten. Dafür studierte er im geographischen Institut Karten, um letztlich Oben und Unten zu verbinden – und das in einem „Blindflug“, der für Überraschung sorgt. Seine Interpretation der Karten, nüchtern, wissenschaftlich, zeichnet er auf die eine Seite eines dicken Papiers – dann dreht er es um, und das Gezeichnete ist unsichtbar. Auf die andere Seite fließt seine Wolken-Interpretation, mit dem Tuschpinsel. Verknüpft, gleichzeitig sichtbar gemacht wird beides durch Wachs: Es macht das Papier durchscheinend, bindet die Rückseite wieder ein. Ein Effekt ist Simultanität der Gegensätze.
Inspirieren lassen hat sich Rosenthal teils von Schriften von Hans-Magnus Enzensberger – der ihm auch gestattete, ein Zitat in seine doppelteilige Broschüre „Hände wie Wolken“ aufzunehmen.
Im Erdgeschoss ist luftig gehängt, schwarz-weiß dominiert, Farbiges gibt es auch. Im Zweifel ist Rosenthal für weniger Objekt, mehr Weite, so der Eindruck beim Hängen. Dann geht es für die vier ins Obergeschoss, auch für ein neunteiliges Element. Die Wand, sagt Rosenthal, sei wie dafür geschaffen.
Was Rosenthal ausstellt, ist nur ein Teil seines Schaffens. „Ich kann mit einer Motorsäge zeichnen“, verweist er auf sein Atelier.
Die Ausstellung „Hände wie Wolken“ mit Zeichnungen und Malereien öffnet am 6.9. mit einer Vernissage um 16 Uhr im Gallitzin-Haus. Im Dialog mit Andreas Rosenthal führt der Kurator Hans-Georg Dornhege in die Gedankenwelt ein. Die Ausstellung läuft bis zum 28.9. und ist offen jeweils samstags und sonntags von 16 bis 18 Uhr. Finissage ist am 28.9. von 16 bis 18 Uhr.
https://www.andreas-rosenthal.de/zeichnung/angesichts-der-guete-raketenstation-hombroich/
