11.03.2026

Klang gewordene Nähe – „Musikalische Freundschaften“ in der Friedenskirche

Musizierten erneut in der Friedens-Kirche: Godela Bozzetti und Friedemann Dipper.

Münster-Angelmodde (agh). Ein gut gefüllter Kirchenraum, gespannte Erwartung auf Klavier und Violine sowie anhaltender Applaus: Das Konzert „Musikalische Freundschaften“ in der Friedenskirche Münster in der Straße „Am Erlenbusch“ zeigte am Freitagabend eindrucksvoll, dass Kammermusik keineswegs ein Nischenereignis ist. Godela Bozzetti (Violine) und Friedemann Dipper (Klavier), seit 2016 als Duo verbunden, spannen einen programmatischen Bogen durch ein dichtes Geflecht musikalischer und persönlicher Beziehungen des 19. Jahrhunderts.

Der Titel des Abends wird lebendig gestaltet. Dipper erläutert kenntnisreich und zugleich unprätentiös die Idee hinter „Musikalische Freundschaften“: Werke, die aus konkreten Beziehungen heraus entstehen – gewidmet, verschenkt, als Zeichen künstlerischer Verbundenheit. So wird der Abend nicht nur als Abfolge von Stücken hörbar, sondern als erzählte Geschichte.

Den Auftakt bilden die Drei Romanzen op. 94 von Robert Schumann. Ursprünglich für Oboe und Klavier konzipiert, entfalten sie in der Fassung für Violine einen intimen Tonfall. Bozzetti spielt die weitgespannten Linien mit warmem, nie sentimentalisierendem Klang. Ihre Phrasierung bleibt klar, die Dynamik fein abgestuft. Dipper antwortet mit transparentem, atmendem Klaviersatz – kein Begleiten im Hintergrund, sondern partnerschaftliches Dialogisieren. Dipper erläutert das Kombinations-Prinzip, er lässt am Boston-Klavier in einigen Beispiel-Takten hören, wie der Komponist Dreiviertel- und Vierviertel-Rhythmen vereint.

Mit der Sonate Wq 78 von Carl Philipp Emanuel Bach tritt ein anderer Geist hinzu: der empfindsame Stil, nervös, kantig, überraschend. Hier zeigen beide Musiker ihre technische Souveränität. Rasche Figuren im Presto wirken federnd und präzise, das Adagio spannt einen konzentrierten Ausdrucksraum auf.

Nach der Pause rückt Clara Schumann ins Zentrum. Ihre Drei Romanzen op. 22, Joseph Joachim freundschaftlich gewidmet, verlangen Intensität und strukturelle Klarheit zugleich. Bozzetti gestaltet das Andante molto mit leuchtender Innigkeit, ohne ins Süßliche zu kippen. Im leidenschaftlich schnellen Schlusssatz verbindet sich Virtuosität mit kontrollierter Energie – hier zeigt sich, dass technische Brillanz nur dann überzeugt, wenn sie dem musikalischen Gedanken dient.

Das Capriccio fis-Moll op. 76 von Johannes Brahms lässt Dipper als Solisten hervortreten. Sein Zugriff ist entschieden, rhythmisch pointiert, mit kraftvoller, aber nie harter Klanggebung. Auch in dichter Textur bleibt die Durchhörbarkeit gewahrt. Im anschließenden Intermezzo von Schumann und dem Scherzo von Brahms aus der f-a-e-Sonate – jener Gemeinschaftskomposition für Joseph Joachim – kulminiert die Idee des Abends: Freundschaft als künstlerischer Widerhall.

Der lang anhaltende, wiederholte Applaus wirkt verdient. Dieses Konzert zeigt, dass „Freundschaft“ in der Musik mehr ist als biografische Randnotiz. Sie ist Antrieb, Inspirationsquelle und hörbare Beziehung. Bozzetti und Dipper machen das mit Virtuosität, stilistischem Bewusstsein und spürbarer gemeinsamer Erfahrung deutlich. Ein Abend, der nicht auf Effekt setzt, sondern auf Substanz – und gerade deshalb nachhaltig wirkt.

{Input von ChatGPT 5.2, redaktionell gesteuert, korrigiert und ergänzt.}