12.06.2026

Trotz Blitz und Donner erlebten die Besucher in Münster-Wolbeck ein außergewöhnliches Konzert: Das Trio um Vivian Redl und Loui und Ananda Harley-Redl harmonierte perfekt mit dem Schlagwerk von Ben Bönniger. Ihr Weg durch internationale Epochen und Stile erntete begeisterten Applaus.

Münster-Wolbeck -anh-. Das Unwetter um die Christus-Kirche war schnell vergessen und die Gäste von KulturVorOrt Wolbeck fanden sich im 16. Jahrhundert. „Das offene Vokalensemble“ schritt zum Altarraum, getaucht in rote und grüne Strahlen, begleitet von Klängen höfischer Musik des Jazz-Schlagzeugers Ben Bönniger. Nach den höfischen Klängen aus England und Spanien setzte das Trio niederländische: Sie sollen ein Kind in den Schlaf wiegen, während draußen ein Sturm tobt und das Meer hohe Wellen schlägt.

Das Gälische „Mhòrag’s na horò gheallaidh“ erzählt von einer versprochenen Ernte, ein weiteres Lied lässt einen Bauern für seine den Pflug ziehenden Ochsen von seinem Liebesleid singen. Tschechisches kam, Katalanisches, Englisches, ein französisches Trink-Lied – das Trio wanderte durch die Weltmusik und den Ausdruck menschlicher Gefühle bis hin zur georgischen Beschwörung des Krankheits-Geistes. Zum Frühlings-Lied aus Griechenland steuerte das Publikum den frischen Wind nach langer Trockenheit bei.

Das Trio Vivian Redl und Loui  und Ananda Harley-Redl schöpfte den erfrischenden Kontrast von Soli und Chorischem aus. Beeindruckend zu hören und hier sehr zu sehen war, was Bönniger im Solo aus einer einzigen Trommel mit ihrer kleinen bespannten Fläche herausholte. Ein kleines rotes Tuch war sein einziges Hilfsmittel. Das sorgte für einen besonderen Applaus.

Bönniger hatte 2024 das Trio des „Das offene Vokalensemble“ angesprochen – seither musizieren sie immer wieder zusammen. Geht das mit Schlagwerk, hatte Vivian Redl sich anfänglich gefragt? Die Frage ist geklärt, nicht erst durch den reichen Applaus in Wolbeck für die Vier.

Der Vorsitzende des Vereins konnte zur Begrüßung von Bönniger und „Das offene Vokalensemble“auf einen fast vollen Kirch-Raum blicken – fast alle Kartenkäufer hatten sich den Weg durch oder vor dem Unwetter gebahnt, einige kamen, als es sich beruhigt hatte. Daher zitierte Eberhard Hüppe gelassen das „Blitzend Gewölk“ aus Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“.

Andreas Hasenkamp

Journalist und Event- sowie Portraitfotograf in Münster

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