Neue Klangfarben zu entdecken – das reizt Komponisten wie Interpreten an der Gitarre. In der Christuskirche zeigte das Daidalos-Duo am Freitagabend eindrucksvoll, wie vielseitig dieses Instrument klingen kann.
Münster-Wolbeck -agh-. Neue Klangfarben zu entdecken – das reizt Komponisten wie Interpreten an der Gitarre. In der Christuskirche zeigte das Daidalos-Duo am Freitagabend, wie weit sich dieser Klangraum spannen lässt. Zum Auftakt griffen Stefan Koim und Raphael Ophaus in die Welt des Barocks: Drei von Domenico Scarlattis 555 Cembalo-Sonaten hatten sie ausgewählt – unterschiedlich im Charakter, doch verbunden durch den südlich-spanischen Ton, der Scarlattis Musik prägt.
Aus der Romantik bot das Duo eine andere Klangfarbe: Joseph Kaspar Mertz’ „Am Grabe der Geliebten“ erklang fein nuanciert, bevor das Programm in die Moderne überging – zu Hans Werner Henze.
Eine Geschichte zu erzählen war die Wahl des herausragenden Komponisten der „Neuen Musik“ und Opern-Autors. Die „Neue“ beherrschen weithin Atonales und Disharmonien, doch Henze verschrieb sich nicht dem Extrem. Er erzählt vom schwarzen Sklaven, der von Kuba flüchtet. In „Memorias de El Cimarón“ lässt sich dies hörend verfolgen, über die Stationen „Der Wald“, „Die Geister“, „Die Frauen“ und „Die Pfarrer“. Das gelingt ihm vor allem im „Wald“ ganz plastisch. Beeindruckt sein kann man von Henzes Ideen, wie Klänge aus dem Instrument zu holen sind – kein Teil Holz und Metall bleibt unberührt, wird beklopft, geschlagen, vorn und hinten, vom Flageolett bis zum Schlag in die Saiten. Und dann zieht Koim einen Violin-Bogen über seine Saiten, für die „Geister“. Ebenfalls ungewöhnlich: eingefügte Sätze: „Es hat mir nichts gefehlt außer der Liebe“. Am Ende lässt Henze sagen, das Wichtigste sei Gelassenheit.
„Das war sehr gut!“ sagt eine Frau auf dem Weg in die Pause. Die nutzten viele, um Ophaus nach Henzes Werk zu befragen: Ob das so in den Noten beschrieben sei, ob es beim nächsten Konzert wieder so klinge? Es steht drin, es klingt immer gleich, klärte Ophaus für alle zum Start des zweiten Teils. Hier nahm das Publikum die Werke von Michel Petit und Jean-Yves Daniel-Lesur begeistert auf, beide Komponisten des 20. Jahrhunderts. Petit mit Jazz-Einflüssen, Daniel-Lesurs „Elegie“ getragen und dem sakralen Ambiente nah. Henze wiederum überrascht in den drei Märchenbildern aus der Kinder-Oper „Pollicino“ mit romantischer Klangsprache. Wie eine Blechtrommel klingen lässt Koim seine Gitarre zu Beginn der furiosen, dann ruhigen „Tarantella“. Der Kirchraum bot eine sehr gute Akustik.
Im Programm „Fantastische Welten“ präsent waren auch die Arrangeure, Bernd Kortenkamp und Jürgen Ruck; die Interpreten sind dem Duo eng verbunden.
Die Gitarristen hinterließen dem Applaus nach ein sehr angetanes Publikum. Nicht ganz voll war die Kirche, doch die ungewöhnliche Besetzung bereut der Vorstand nicht. Es habe nur gute Rückmeldungen gegeben.
Zustande kam das kunstvolle Spiel von Daidalos in Wolbeck durch einen gemeinsamen Bekannten, Helmut Lachenmann aus Stuttgart, von Ophaus und Professor Eberhard Hüppe, Vorsitzender von KulturVorOrt Wolbeck.
Weiter geht es mit dem Advents-Konzert eines A-Capella-Chors in St. Nikolaus: Schon am 5.12. ist zum zweiten Mal der Kammerchor Münster „legato M“ zu Gast (19.30 Uhr). Es folgt eine Lesung mit „Wintermärchen“ mit dem Metelener Everhard J. Drees.
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