Emmerbach-Treff erweitert Programm im Quartier
Münster-Hiltrup. Nähmaschinen surren, Kaffee dampft neben Kuchen, das Schwungrad eines Film-Projektors dreht sich: Die Kombination, das ist das neue „Reparatur-Café“. Am Dienstag war Premiere im „Emmerbach-Treff“. Ein Elektro-Fachmann ist schon da, Gisela Riedel hält Ausschau nach weiteren, die sich angekündigt haben. Und nach Leuten, die etwas zum Reparieren mitbringen – oder einfach auf einen Plausch bei Kaffee und Kuchen hereinschauen. „Um die Menschen zusammenzubringen“, sagt Riedel. Das Reparatur-Café ist organisatorisch aufgehängt am Seniorenforum der Gemeindediakonie Hiltrup. Für eine Altersgruppe reserviert ist es keineswegs, betont Riedel. So sei das auch beim Pendant in Mauritz, das sie sich angeschaut hat: „Da war richtig was los.“ Tatsächlich ist eine junge Mutter gekommen, mit einem Wäschekorb voller Problemfälle sitzt sie vor Werner Ahmann. Ihre kleinen Töchter malen erst einmal etwas, dann kommt die Frage nach Gesellschaftsspielen auf, schließlich gucken sie mit ihrer Mutter zu. Die Quartiersentwicklerin Yvonne von Kegler schaut herein, auch Michael Bastian, der stadtteilbezogene Bürger- und Nachbarschaftstreffs aufgebaut hat, wie den „Ska-Treff“ und die „Alte Apotheke“.
Reparieren ist hier Team-Sache, sagt Riedel. Nicht gedacht ist das Angebot wie klassisch bekannt von Unternehmen: Reinkommen, abgeben, abholen, bezahlen. Hier ist Mitmachen gefragt und Mitgucken. Das ist auch das Prinzip der nun insgesamt drei Reparatur-Cafés, die seit 2015 entstanden, betont Michael …
„Der Treff ist Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Renate Schwaer: Kleine Tipps geben, Leute kennen lernen, das gehört dazu für die Profi-Näherin: „Das ist mein Beruf gewesen.“ Bei der Premiere galt es, einer Besucherin („das habe ich noch nie gemacht“) einen Reißverschluss in den Bettbezug einzunähen. Schwaer konnte gleich den Umstand nutzen, dass andere Kennerinnen samt Nähmaschine zur Hand waren.
Die „Elektriker“ sind nicht unbedingt welche von Beruf: Rudolf Schenk war Radio- und Fernsehmechaniker, Peter Wawerzonnek Elektriker, Andreas Willlen Zahntechniker – die Elektronik sei ihm Hobby. Und Johannes Franke ist Programmierer.
„Jetzt kommt der Elko – wo ist der Schalter 10 A?“, fragt Schenk. Mit drei anderen untersucht er den Film-Projektor aus dem Jahre 1978 von Wilhelm Wiefel aus Angelmodde-West. Schließlich sind auf den Super-8-Filmen Familien-Ereignisse festgehalten. „Die Sicherungsplatte ist falsch angelötet – da kriegste `nen Knall!“ sagt Schenk. „Das ist spannend“, sagt Ursula Hannay. „Ja, wir suchen – Yippee: Schalter kaputt“, sagt Schenk. Der Schalter wird überbrückt – da leuchtet die Lampe wieder. Dann läuft das Video mit der Hochzeits-Feier – mit der weißen Wand als Projektionsfläche, in respektabler Schärfe. Wiefel nimmt sicherheitshalber noch drei frische Schmelz-Sicherungen mit nach Hause.
Einige der Helfer sind schon lange dabei, in anderen Repair-Cafés. Schenk seit vier Jahren. Jetzt gern in Hiltrup, da wohne er ja.
Mit einer Mikrowelle auf der Sackkarre kommt die Frau auf Werner Ahmann zugefahren, die vorhin erst einmal gefragt hatte. Ein Fön ist schon repariert, ein beleuchteter Fliegenpilz kommt auch noch dran.
Garantieren können die Reparatur-Helfer den Erfolg nicht. Wer im Reparatur-Café ankommt, unterschreibt zuerst ein oder zwei Formulare, zur Haftungsbegrenzung. Ein Werkvertrag ist das nicht, man bemüht sich – mit den Besuchern, erklärt Walter Engelhardt („Ich mach‘ nur Empfang“). Das Angebot sei eine Nische für die, „die nicht alle Nase lang was Neues kaufen wollen.“
Das Repair-Café als Treff gehört zu etwas Größerem, von dessen Sinn auch das Schild des „Emmerbach-Treffs“ kündet. Der ist eine „Begegnungsstätte“ für Hiltrup-Ost, mit einem stilisierten Herz als „O“ und dem Motto: „Miteinander – Füreinander“. Repariert werden soll immer am ersten Dienstag im Monat von 15 bis 18 Uhr.
Kaffee und Kuchen stiften Helferinnen und Helfer. Die fanden sich, sagt Riedel, durch einen Aufruf in der Zeitung und durch persönliche Ansprache.
Auf dem Empfangstisch steht auch eine große Spardose für freiwillige Spenden. „Das Ganze ist auf Spenden-Basis“: Riedel wünscht sich Geld-Spenden für Schränke – die sollen auch einige Geräte aufnehmen, die von den Helfern dann nicht immer zwischen Heim und Emmerbach-Treff hin und her transportiert werden müssen.
