Benefizkonzert im vollen Rathaussaal mit anspruchsvollem Programm, Wiedersehen ehemaliger Weggefährten und viel Applaus zum Abschied des langjährigen musikalischen Leiters.
Everswinkel (agh). Dieses Konzert wurde zu einem Abend des Wiedersehens, des Dankes und der Wertschätzung: Das Orchester Musica Viva spielte am Samstag im voll besetzten Rathaussaal von Everswinkel zum „Taktstock-Wechsel“. Auf Niklas Rademacher folgt Heiko Kraft, der bereits von 2011 bis 2019 musikalischer Leiter des OMV war.
Herausforderungen für Akkordeonisten
Das Programm war breit gefächert und anspruchsvoll. Alle Stücke waren unter Rademachers Leitung einstudiert worden, einige auch von ihm arrangiert. Schon Queen-Klassiker wie „Don’t Stop Me Now“ mit dem legendären Gesang von Freddie Mercury auf ein Akkordeon-Orchester zu übertragen, verlangt einiges. Im Original trägt das Klavier mit laufenden Basslinien und Akkordbrechungen den Klang – im Akkordeon-Orchester müssen diese Stimmen auf mehrere Instrumente verteilt werden. Das erfordert saubere Artikulation bei hohem Tempo, kurze Balgstöße und präzises Zusammenspiel, unterstützt vom Schlagzeug. Auch die Gesangsstimme verlangt Genauigkeit – dazu kommen Staccato-Passagen und große dynamische Spannweite. Mit dem Akkordeon, dem „Klang-Chamäleon“ und „Instrument des Jahres“ 2026, ist all das möglich – und dem OMV gelang es überzeugend.
Breites Programm im Akkordeon-Konzert
Das Orchester spielte außerdem Astor Piazzollas bekannten „Libertango“, die reizvollen „Inspirations“ des Musikpädagogen und Akkordeonisten Hans-Günther Kölz, den Filmhit „Ghostbusters“ sowie Medleys mit Musik von Bon Jovi, Ed Sheeran und Herbert Grönemeyer. Dazwischen stand für den Gast mit der wohl weitesten Anreise nach Everswinkel „Miss Marple“ auf dem Programm.
Dieser Gast ergriff nach dem Konzert auch das Wort: Ludger Banken, von 1999 bis 2015 hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Everswinkel, war rund 200 Kilometer aus Rheinbach mit der Bahn angereist, um „sein“ Orchester zu hören. Die Verbundenheit, machten er und Inga Fortriede deutlich, sei bis heute gegenseitig. Banken dankte den Musikern und animierte sie zu mehreren Zugaben.
Taktstock-Wechsel mit Heiko Kraft
Beim Stück „Winter Games“ von David Foster reichte Rademacher schließlich den Taktstock an seinen Nachfolger – und zugleich Vorgänger – Heiko Kraft weiter.
Den guten Zweck des erneut als Benefizkonzert angelegten Abends erläuterte Werner Reinemann vom Verein „Familien in Not“ den rund 100 Gästen im Saal.
Die Atmosphäre im Saal war stimmungsvoll, das Licht allerdings recht gedämpft. Dirigent Rademacher wurde deshalb gebeten, sein dunkles Jackett auszuziehen, damit sein weißes Hemd besser zu sehen sei. „Mehr aber auch nicht!“, reagierte er mit einem Augenzwinkern.
Akkordeonist Rademacher in neuer Lebens-Phase
Mit viel Applaus und gegenseitiger Wertschätzung endete Rademachers Zeit beim OMV. In diese Jahre fiel auch die Corona-Pandemie mit Online-Proben, ebenso seine Arbeit an Spieltechnik und Haltung – bis hin zum korrekten Sitzen der Musiker. Gäbe es mehr musikalische Leiter wie ihn, meinte Moderatorin Inga Fortriede an der Seite ihres Ko-Moderators Andre Klemann, hätte das Akkordeon einen besseren Ruf und mehr Nachwuchs.
Rademacher selbst blickte auf den – wie er sagte – zeitlich glücklichen Wechsel zu Heiko Kraft im Jahr 2019 zurück und zugleich auf neue berufliche Aufgaben voraus. Akkordeonist bleibt er weiterhin.
Das Orchester begrüßte Heiko Kraft offensichtlich gern zurück. „Wir wissen, worauf wir uns einlassen“, sagte Moderatorin Inga Fortriede mit einem Lächeln.
Wechsel und Wiedersehen: Inga Fortriede, Niklas Rademacher, Heiko Kraft und Andre Klemann im Rathaussaal in Everswinkel. Foto: A. Hasenkamp.
