Vier Autorinnen teilten in der Wolbecker Buchhandlung bewegende Lebensgeschichten über den Umgang mit schweren Krisen und persönlichen Neuanfängen. Im direkten Dialog mit den Zuhörerinnen stand die befreiende Wirkung von Hilfe und Gemeinschaft im Mittelpunkt des Abends. Es dominierte die dankbare Resonanz auf die mutigen und konsequenten Wege der Frauen.
Münster-Wolbeck (agh). Die Lesung mit dem „Mutmachbuch“ sollte anders sein und wurde es. Die vier Autorinnen, unter ihnen Anja Palesch als Herausgeberin, sammelten viele Reaktionen der 18 Frauen ein, die am Donnerstag in die Buchhandlung „Buchfink“ gekommen waren.
Jede der Frauen trägt vor, welche Herausforderungen sie angingen, was hilfreich war und was hinderlich. Das Spektrum der Probleme ist groß und kann die Zuhörerinnen abholen: Ein Todesfall in der Familie in jungen Jahren, eine bedrohliche Krankheit mit allem Anschein nach wenig Grund zur Hoffnung, Ehe-Scheitern und Job-Verlust. Und dann die Geschichten, wie die Frauen damit umgingen, Neues gestalteten. Viele Passagen bestätigen, was ein zentraler Punkt Paleschs ist: Hilfe holen ist gut, ob privat, beruflich oder im Ehrenamt. Nicht gut weg kommt die „Schul-Medizin“, wohl aber die Homöopathie, ebenso „Palästina“ mit deutlicher Opferrollen-Zuweisung durch Mindermann. Auf Kritik im Publikum stößt beides nicht.
Viel Dank geht hin und her, im von Palesch vorgeschlagenen respektvollen „Du“. Man stärkt sich, da geht ein Wunsch Paleschs in Erfüllung. „Wo sich eine Tür schließt, geht eine andere auf“, resümiert Doris Bulk. Dafür bieten die Geschichten der Autorinnen überzeugende Beispiele, ob durch das Engagement in der Selbsthilfe-Gruppe wie bei Kathrin Wersing oder durch Hilfe in Bethlehem. Was andere als „Mut“ lesen, merkt ein Gast an, ist für die Handelnden schlicht das Angehen dessen, was offensichtlich zu tun ist, und das mit Ausdauer und Konsequenz. „Unbequeme Wege hinterlassen Spuren“, so ein Satz von Mindermann. Reich ist die positive, dankbare Resonanz des Publikums.
Das Buch liegt gut in der Hand. Das Lektorat hat lückenhaft funktioniert, wie „Jane Goddell“ oder die „Schell-Studie“ bezeugen.
Lesungen haben Palesch und ihre Autorinnen von Münster über Schöppingen bis Dresden gehalten – jetzt ist Sommerpause.
